Wo Bruchtal seinen Ursprung fand

J. R. R. Tolkien und die Inspirationen zu Der Hobbit, Der Herr der Ringe und seinem Legendarium

Der Mürrenbachfall fällt die steilen Felswände hinunter. Und speisst die Lütschine mit Wasser.

Steil aufragende Felswände. Verborgene Tiefe. Wasserfälle wie flüssiges Licht.

Als J. R. R. Tolkien 1911 das Lauterbrunnental bereiste, begegnete er einer Landschaft, die sein Werk entscheidend prägen sollte.

Hier entstand das innere Bild von Bruchtal – jenem elbischen Zufluchtsort, der in Der Herr der Ringe für Heilung, Weisheit und Schutz steht.
Ein Ort, abgeschirmt von der Welt und doch von überwältigender Schönheit.
Tolkien hatte zuvor – und auch später – nie wieder eine vergleichbare Bergwelt erlebt.

Über dem Tal erheben sich Eiger, Mönch und Jungfrau.
In Tolkiens Fantasiewelt leben sie weiter als Celebdil, Caradhras und Fanuidhol, der «Wolkige Kopf».
Und tief im Berg klingt das Echo von Khazad-dûm nach – jenen steinernen Hallen und Treppen von Moria, deren Visionen durch die alpinen Eindrücke dieser Reise geformt wurden.

Während Tolkien hier war, entstand mit der Jungfraubahn ein technisches Wunderwerk im Herzen des Berges.
Naturgewalt und menschlicher Mut begegneten sich – ein Motiv, das auch Mittelerde durchzieht.

Das Lauterbrunnental ist nicht nur ein Ort.
Es ist ein Ursprung.

J.R.R. Tolkien

… Und dann diese grossartigen Tage in den (Schweizer) Bergen. Wie lange noch, bis ich den Schnee und die grossen Höhen wieder sehen kann!

J.R.R. Tolkien Bild: J. R. R. Tolkien, um 1911. Quelle: Wikimedia Commons
So stellt sich der Künstler Alan Lee das berühmte Rivendell in Mittelerde nach der Beschreibung von Tolkien vor. Kein Thema. Ganz klar inspiriert vom Lauterbrunnental. Hier im direkten Vergleich mit Rivendell aus dem Film «Herr der Ringe».

Die drei Gipfel über Moria

Der Versuch, das Gebirge über den Caradhras zu überqueren, wird von Schnee und Sturm vereitelt. Die Gefährten kehren um und wählen den Weg durch die Minen von Moria – eine Entscheidung mit schwerwiegenden Folgen.

Geschützt in der Jungfraubahn durchqueren moderne Reisende Eiger und Mönch – eine Fahrt durch das Herz des Berges, die fast wie aus einer anderen Welt erscheint.

Was hier technisch möglich geworden ist, erinnert an jene Spannung zwischen Naturgewalt und menschlichem Wagemut, die auch Tolkiens Landschaften durchzieht – wenngleich ohne Zauber und ohne den Schatten eines Saruman.

Der Celebdil, auch Silberzinne genannt, ist ein Berg im Nebelgebirge und einer der drei Gipfel über den Minen von Moria, neben Caradhras und Fanuidhol.
Eine direkte Entsprechung in der realen Welt ist nicht belegt; doch werden die Formen der alpinen Bergwelt – insbesondere das Silberhorn als Nebengipfel der Jungfrau – häufig mit Tolkiens Vorstellung in Verbindung gebracht.

Tolkien selbst sprach von einer «Silberzinne meiner Träume» – ein Bild, das weniger auf ein einzelnes Vorbild verweist als auf eine verdichtete Erinnerung an alpine Eindrücke, wie sie ihm während seiner Reise von 1911 begegnet sein mögen.

Das grösste und berühmteste aller Zwergenreiche ist Khazad-dûm, später bekannt als die Minen von Moria.

Ein direkter Ursprung in der realen Welt ist nicht belegt; doch werden seine gewaltigen Hallen und unterirdischen Strukturen häufig im Zusammenhang mit Tolkiens alpinen Eindrücken gelesen.

Als die Gefährten vor den verschneiten Pässen des Nebelgebirges stehen, bleibt ihnen kein anderer Weg:

Der Ringträger und seine Begleiter wählen den Pfad durch Moria.
Dort, in den Tiefen der verlassenen Hallen, ruht ein uraltes Wesen – der Balrog –, dessen Erwachen ihren Weg in eine tödliche Prüfung verwandelt.

Nicht alle teilen diese Entscheidung: Gerade Gandalf begegnet ihr mit grossem Widerwillen.

Die Vorstellung eines Berges, durchzogen von steinernen Hallen, Treppen und endlosen Gängen, gehört zu den eindrücklichsten Bildern in Tolkiens Legendarium.

Ein konkretes Vorbild lässt sich nicht nachweisen; doch fällt auf, dass während Tolkiens Schweizreise 1911 mit der Jungfraubahn ein technisches Grossprojekt im Inneren des Berges entstand.

Diese Begegnung von Fels, Tiefe und menschlichem Eingriff mag zu jener bildhaften Vorstellung beigetragen haben, die in Khazad-dûm ihre literarische Form fand – weniger als direkte Vorlage, sondern als nachwirkender Eindruck einer aussergewöhnlichen Landschaft.

J. R. R. Tolkien

… Ich erinnere mich sehr lebhaft an meine erste Reise in die Schweiz. Ich war 19 Jahre alt und stand kurz davor, nach Oxford zu gehen. Wir waren eine Gruppe von ungefähr der gleichen Grösse wie die von Bilbo und erlebten ganz ähnliche Abenteuer, darunter Übernachtungen im Freien, einfache Verpflegung und ein knappes Entkommen vor einer Katastrophe.

J. R. R. Tolkien Bild: J. R. R. Tolkien, um 1911. Quelle: Wikimedia Commons

Wo Wälder zu erzählen beginnen.

Zwischen den stillen Hainen um Oxford und den wilden Flanken des Lauterbrunnental wuchs eine Verbindung, die tiefer reicht als Worte.

Als J. R. R. Tolkien 1911 durch diese Landschaft wanderte, begegnete er nicht nur Bergen und Wasserfällen – sondern einer Natur, die in ihrer Kraft und Stille zugleich sprach.

Eine Erfahrung, die seine Liebe zu Bäumen weiter nährte – und in seinen Geschichten nachklingt.

Pause auf dem Staubbachbänkli in Wengen mit Sicht ins Lauterbrunnental und mit einem Fondue.

Sieben Mahlzeiten am Tag?

Für Hobbits ganz normal – und nach einer Wanderung im Lauterbrunnental plötzlich gar nicht mehr so abwegig.

Auf Wiedersehen, Mittelerde

Der Tag geht zu Ende, die Geschichte geht weiter. Das Lauterbrunnental hinterlässt ziemlich bleibende Eindrücke bei Tolkien. Jahrzehnte später lässt er sie noch in seine Werke miteinfliessen.

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Wer tiefer in die Welt von Bruchtal eintauchen möchte, findet in der Ardapedia eine ausführliche Darstellung dieses besonderen Ortes: https://www.ardapedia.org/wiki/Bruchtal

Eine Portale zum Thema Tolkien und Schweiz gibt es auf: www.tolkien-schweiz.ch

Ein TV Bericht zum Thema: https://www.srf.ch/kultur/gesellschaft-religion/j-r-r-tolkien-und-die-schweiz-vier-herr-der-ringe-wandertipps-fuer-daheimgebliebene

Buch zum Thema der Schweizerreise: https://msmonsch.ch/

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